

Fehlende Wartungsgänge verunmöglichen Reparatur und Wartung, ohne die Module zu betreten.
Text: Milosh Fink, Heinz Simmler * / PW, Bilder: Energie Netzwerk GmbH, zVg
Die 10 häufigsten Fehler bei PV-Anlagen
Photovoltaikanlagen spielen eine zentrale Rolle in der Energiewende. Doch trotz jahrelanger Erfahrung in der Branche sehen wir als PV-Experten immer wieder die gleichen grundlegenden Fehler, die sowohl den Ertrag als auch die Lebensdauer der Anlagen erheblich beeinträchtigen. Diese Fehler sind besonders störend, da sie mit dem richtigen Fachwissen vermeidbar wären.
Erfahrungen aus der Praxis - Qualität für die Zukunft
Unsere PV-Gutachter sind tagtäglich unterwegs und beurteilen die Qualität und Sicherheit von PV-Anlagen. Von einer Qualitätsbegleitung während der Planung und Realisierung, bis hin zu neutralen Gutachten bei Ertragseinbussen oder Schadenfällen, kennen wir jeden Stolperstein auf der Reise eines PV-Projekts - von 20 Megawatt in den Schweizer Alpen bis zum Standardprojekt auf einem Einfamilienhaus.
Diese Stolpersteine räumen wir Ihnen gerne aus dem Weg. Für die nachhaltige Energiewende, erfolgreiche Zusammenarbeit und viel Freude am Solarstrom. Sind Sie bereit fürs solare Gruselkabinett? Na dann, Los!
1. Gründächer
Gründächer, wie auch PV-Anlagen leisten beide einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Doch wer kennt sie nicht, die überwucherten PV-Anlagen auf Gründächern, die das geschulte Auge im Vorbeifahren vom Zug oder im Auto entdeckt. Falsch geplante Konzepte stellen ein ernsthaftes Kostenrisiko dar. Werden PV-Anlagen nicht nach dem “Stand der Technik” installiert, kann selbst der Installateur rechtlich belangt werden. Eine gründliche Grünpflege ist oft gar nicht möglich und wird durch ungenügende Wartungsgänge der PV-Anlage verunmöglicht. In vielen Fällen steht die Eigentümerschaft schliesslich vor der Entscheidung, die PV-Anlage komplett entfernen und korrekt neu aufbauen zu lassen, oder aber schmerzhafte Ertragseinbussen und Rechnungen für die Grünpflege in Kauf zu nehmen.
Neben dem Ertragsverlust sind die technischen Auswirkungen dabei nicht zu unterschätzen. Die punktuelle Verschattung durch Pflanzen führt zu Hotspots auf einzelnen Zellen, was deren Alterung beschleunigt und im schlimmsten Fall sogar zum Glasbruch der PV-Module führen kann.
Oft werden zur Minderung der oben genannten Schäden bewuchshemmende Matten eingesetzt. Doch die Erfahrung zeigt, dass diese Matten keinen dauerhaften Schutz bieten, da die Pflanzen früher oder später immer einen Weg ans Licht finden. Darüber hinaus beeinträchtigen die Matten den eigentlichen Zweck des Gründaches, sodass die Synergieeffekte von Dachbegrünung und Solarenergieanlagen nicht genutzt werden können.
Lösungsansätze: Substrat, Unterkonstruktion, Wartung
Für Gründächer mit Solaranlagen gibt es speziell magere Substratmischungen und extensive Begrünungen. Die richtige Wahl erspart viel Ärger und Wartungskosten. Im Bereich der PV-Module soll das Substrat grossflächig auf ca. 5 cm reduziert oder durch Kies ersetzt werden. Bei bestehenden Gründächern ist zu beachten, dass sich das Mikroklima auf dem Dach stark verändert und damit der Pflanzenbewuchs durch die Solarpanels massiv verstärkt wird.
Eine Gründach-Unterkonstruktion hat mindestens 30 cm Abstand zum Substrat. Nur so kann eine regelmässige Gründachwartung ohne Probleme durchgeführt werden. Aerodynamische bodenanliegende Systeme haben auf einem Gründach nichts verloren.
Ein Gründach bedarf regelmässiger Wartung - insbesondere in den ersten Jahren während der Ansiedlung von Pflanzen im Substrat. Um diese Arbeiten zu erleichtern, empfiehlt sich die Planung von einzelnen südorientierten Reihen, grosszügigen Wartungsgängen und einem durchdachten Absturzsicherungskonzept.
Weitere Infos: Broschüre «Dachbegrünung und Solarenergieanlagen» (2021, PDF 5 MB) auf swissolar.ch > Wissen > Planung und Umsetzung > Dachbegrünung
2. Steckerverbindungen
Steckerdefekte gehören zu den häufigsten Ursachen für technische Probleme bei PV-Anlagen. Bei Anlagenprüfungen stossen unsere Gutachter regelmässig auf fehlerhafte Steckverbindungen. Diese führen nicht nur zu technischen Ausfällen, sondern stellen im schlimmsten Fall auch eine Brandgefahr dar. Typische Fehler sind inkompatible Steckerpaare verschiedener Hersteller - sogenannte Kreuzverbindungen, eine unsachgemässe Crimpung und eine unzureichende Abdichtung gegen Feuchtigkeit.
Lösungsansätze: ausgebildetes Personal, Werkzeug, saubere/trockene Steckverbindungen
Die Installation eines Steckers erfordert ausgebildetes Personal und entsprechendes Werkzeug. Das Verschrauben der Kabelverschraubung mit dem korrekten Drehmoment verhindert das Eintreten von Feuchtigkeit. Stecker dürfen niemals unter Last gesteckt oder getrennt werden. Dies führt zu Lichtbögen und einer Russablagerung auf dem Steckkontakt, was die Leitfähigkeit des Steckers verschlechtert.
Die Steckverbinder dürfen nicht direkt auf der Dachfläche liegen, wo sich Wasser ansammeln kann. Sie sollten sich auch nicht an der tiefsten Stelle der Verkabelung befinden. Bei Nässe fliessen die Tropfen ansonsten entlang dem Kabel direkt zum Stecker.
Ist der Stecker während der Montage nass und wird so verbunden, kann die Feuchtigkeit im Stecker nicht mehr entweichen. Deshalb müssen nicht gesteckte Steckverbinder seit Inkrafttreten der NIN 2025 mit Verschlusskappen vor Umwelteinflüssen geschützt werden.
Das Studieren der Montageanleitung eines MC4-Steckers zeigt einige erstaunliche Fakten, die in der Praxis oft übersehen werden: Kabelbinder dürfen nicht direkt am Steckergehäuse montiert werden. Drückt der Kabelbinder auf die Einrastlaschen, kann sich die Verbindung lösen.
Das Kabel muss mindestens 2 cm gerade aus dem Stecker herausgeführt werden, bevor es gebogen wird. Ein zu enger Biegeradius kann zur Undichtigkeit des Steckers führen.
3. Verschattung
Verschattungen sind eine der grössten Herausforderungen in der PV-Planung. Neben dem Ertragsverlust gibt es einen noch kritischeren Aspekt: Sicherheit! Besonders problematisch sind Punktverschattungen einzelner Zellen, die zu Hotspots führen können. Häufig werden Verschattungen bei der Anlagenplanung nicht ausreichend berücksichtigt.
Warum ist Verschattung gefährlich? Teilverschattete Zellen können – selbst mit funktionierenden Bypass-Dioden – extreme Temperaturen bis zu 140°C erreichen. Dies kann zu Glasbrüchen und langfristigen Schäden an den Modulen führen. Ist eine Diode zudem defekt, was bei häufiger Beanspruchung durchaus vorkommt, kann dies zur Zerstörung des Moduls oder sogar zu Bränden führen.
Punktuelle Verschattungen sind “harte” Schatten durch Objekte in unmittelbarer Nähe, wie Abluftrohre, Absturzsicherungen, Vegetation oder Verschmutzung. Sie führen zu langandauernder Teilverschattung der Zellen und sollten unbedingt vermieden werden, um Erwärmungen und Beschädigung der Module zu verhindern.
Grossflächige Verschattungen durch Gauben, Nachbarsgebäude oder Bäume sind etwas weniger gravierend, weil sich die Schattenkante schneller bewegt und die Zellerhitzung weniger lange andauert. Grossflächige Verschattungen werden von heutigen Wechselrichtern mit globalem MPP-Tracking erkannt und der Arbeitspunkt des Modulstranges wird so eingestellt, dass die Dioden rechtzeitig aktiviert werden und der Ertragsverlust minimal bleibt.
Lösungsansätze: gute Stringplanung, Leistungsoptimierer, präventiver Unterhalt
Eine detaillierte Verschattungsanalyse in der Planung lohnt sich. Im Strangplan werden Module mit ähnlichen Verschattungsbedingungen gemeinsam verschaltet. Eine ertragsoptimierte Stringplanung ist häufig aufwändiger im Bau und benötigt Zeit in der Planung. Doch über Jahrzehnte im Betrieb zahlt sich der Mehraufwand aus. Zudem lieber ein Modul weglassen, als ein Modul einbauen, welches durch seine ständige Verschattung die Leistung des ganzen Strings oder die Sicherheit reduziert.
Sind Leistungsoptimierer sinnvoll oder nicht? Während ihre Ertragswirkung und Langlebigkeit kontrovers diskutiert werden, gibt es kaum Zweifel daran, dass Optimierer Temperaturspitzen bei teilverschatteten Zellen reduzieren und somit zur Anlagensicherheit beitragen.
Präventiver Unterhalt: Regelmässige Pflege (Reinigung, Gründachpflege) verlängert die Lebensdauer der Module und der Bypass-Dioden.
4. Statik
Der Winter bringt nicht nur kurze Tage und weniger Ertrag, sondern auch eine oft unterschätzte Herausforderung für PV-Anlagen: Schnee- und Windlasten. Wer hier nicht sorgfältig plant, riskiert teure Schäden!
Lösungsansätze: Modulstatik, Systemstatik, Gebäudestatik
Nur wenn Modulstatik, Systemstatik und Gebäudestatik geprüft sind und im Zusammenspiel funktionieren, ist die Gesamtstatik gewährleistet.
Modulstatik: Die Standardbelastbarkeit von PV-Modulen beträgt 5400 Pa für Drucklast und 2400 Pa für Soglast bei Klemmung an der langen Seite. Bei Befestigung an der kurzen Seite reduzieren sich diese Werte je nach Modultyp auf bis zu 1000 Pa.
- Bereits bei 25 cm Nassschnee können so die Drucklastlimiten überschritten werden.
- Faustregel 1 m Pulverschnee = 25 cm Nassschnee = 1000 Pa
Systemstatik: Bei der Auslegung einer PV-Anlage sind die zu erwartende Schnee- und Windlast gemäss SIA 261 am Standort zu berechnen. Die Lasten variieren je nach Region und Gebäudeart erheblich und entsprechend ist die Systemstatik anzupassen.
- Je nach Region und Dachaufbau sind bis zu 4 x höhere Wind- und Schneelasten zu erwarten.
- Im Randbereich eines Dachs sind durch Wirbelbildung bis zu 3 x höhere Windlasten zu erwarten.
- Wird zusätzlich ein Schneefang installiert, oder ist das Abrutschen des Schnees aufgrund der Gebäudeart nicht möglich, ist dies in der Berechnung zu beachten.
Gebäudestatik: Die Absicherung der Gebäudestatik kann verschiedene Formen annehmen – von der mündlichen Einschätzung eines Dachdeckers bei Einfamilienhäusern bis hin zum professionellen Statik-Gutachten. Grundsätzlich muss nachweisbar sein, dass der Dach- oder Fassadenaufbau die erforderlichen Druck- und Soglasten einer PV-Anlage tragen kann. Dabei ist zu beachten:
- Ein einziger Schwachpunkt (beispielsweise ein genageltes Falzblech oder unzureichend mit Kies gefüllte Ballastierungswannen) kann ausreichen, damit die gesamte Statik nicht mehr standhält.
- Ein Schneefang ausserhalb des Gebäudegrundrisses verändert die Dachstatik erheblich.
5. Klemmen und Dachhaken
Sturm, herumfliegende Solarmodule, Wasser im Dachstuhl … Ein solches Szenario ist zum Glück eine absolute Seltenheit. Klemmen und Dachhaken mögen klein erscheinen, ihre fehlerhafte Installation kann jedoch schwerwiegende Konsequenzen haben.
Lösungsansätze: richtige Installation, Dilatation
Die richtige Installation von Dachhaken ist entscheidend für die fortwährende Dichtigkeit des Dachs und die Sicherheit der PV-Anlage:
- Sauberes Schroten oder Ausschleifen der Ziegel: Eine präzise Aussparung und das satte Aufeinanderliegen der Ziegel verhindert den Wassereintritt ins Unterdach.
- Mindestens 60 mm Schraubtiefe in den Sparren: Die richtige Schraubenlänge muss in der Planung berücksichtigt werden.
- Reserve Abstand zum unteren Ziegel für Schneelast: Der Abstand verhindert Spannungen und Ziegelbrüche.
- Herstellerangaben: Die Anzahl Klemmen, Schienen und Dachhaken müssen gemäss Hersteller-Auslegung eingehalten werden.
- Drehmoment beachten: Besonders bei Falzdächern ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Drehmomente essenziell, um Beschädigungen am Dach zu vermeiden.
Die thermische Ausdehnung von Materialien spielt bei PV-Anlagen eine wichtige Rolle:
- Temperaturbedingte Längenänderungen: Schienen und Module dehnen sich bei Hitze aus und ziehen sich bei Kälte zusammen.
- Dehnungsfugen: Abstände müssen korrekt geplant und umgesetzt werden, um Spannungen zu vermeiden.
6. Hagel
Hagelschläge verursachen feine Mikrorisse in den Solarzellen, die oft mit blossem Auge nicht erkennbar sind. Selbst wenn das Frontglas unbeschädigt erscheint, können die darunterliegenden Zellen durch die Einschläge beschädigt sein. Diese Risse mindern langfristig die Leistung der Anlage und bleiben häufig unentdeckt, bis signifikante Ertragseinbussen auftreten. Eine Schadensmeldung an die Gebäudeversicherung ist empfehlenswert, um Spätfolgen zu versichern. Sichtbar werden die Zellrisse nur mit einer Elektrolumineszenz-Prüfung oder nach einigen Jahren als sogenannte Schneckenspuren.
Lösungsansätze: EL-Prüfung, Vorgehen nach Hagelschlag
Die Elektrolumineszenz-Prüfung (EL-Prüfung) ist die genaueste Methode, um Mikrorisse vor Ort zu erkennen. Dabei werden die Module elektrisch aktiviert, sodass sie im Infrarotbereich leuchten. Eine Spezialkamera macht die Schäden sichtbar:
- bei Nacht mit einer Spezialkamera und einem Rückstromgerät
- tagsüber mit einem mobilen Messlabor (Auto-Anhänger)
- Drohnen-EL für Grossanlagen oder schlecht zugängliche Dachflächen
Achtung: Thermografie-Aufnahmen sind ungeeignet, da sie Mikrorisse nicht erfassen können.
Was tun nach einem Hagelschlag? Unser Leitfaden «Hagelereignis Photovoltaik» gibt klare Orientierung und ist im Schadenfall eine wertvolle Hilfestellung.
7. UV-Strahlung
Kunststoff-Installationsrohre, die nicht UV-beständig sind, werden spröde und brüchig. Selbst UV-beständige Kunststoffrohre garantieren “nur” eine UV-Stabilität für 10 Jahre. Häufig anzutreffen sind zudem ausgebleichte und unlesbare LED-Displays, oder ausgebleichte/versprödete Kabel- und Wechselrichterbeschriftungen.
Lösungsansätze: Kabel-Auswahl, Metall-Schutzrohre
In unserer Praxis sehen wir sehr selten versprödete Solar-Kabel. Schwarze Kabel mit 3% Russanteil zeigen eine sehr gute UV-Beständigkeit. Andere Farben wie rot oder blau können aufgrund des geringeren Russanteils ausbleichen, was durch Praxisbeispiele belegt ist. Bei Kabel ohne UV-Schutz, wie z.B. Zuleitungen oder Datenkabel ist jedoch ein zusätzlicher Schutz erforderlich.
- Schwarze Solar-Kabel verwenden
- Biegeradien einhalten
- Kabel ohne UV-Schutz zusätzlich schützen oder UV-beständig ausführen
Das Verbuddeln von Rohren im Kies ist eine ungenügende Massnahme, da die Rohre durch den Auftrieb innert kürze wieder aufschwimmen. Langjährig beständig und sicher sind metallische Schutzrohre und -kanäle.
Displays und Beschriftungen: Wechselrichterstandorte möglichst vor UV-Strahlung und Wettereinflüssen schützen, sowie Kabel und Wechselrichter UV-sicher beschriften.
8. Betreten der Module
Ob als Monteur oder Servicetechnikerin: Wir alle (Ja, alle. Auch wir …) kennen das ungute Gefühl, wenn man ein PV-Modul betritt. Es sind die sogenannten Micro-Cracks, die wir vermeiden möchten. Das sind winzige Zellbrüche, die oft nicht sofort sichtbar sind, aber die Leistung und Lebensdauer des Moduls nachhaltig beeinträchtigen können. Sei es aus Bequemlichkeit oder sogar mangelnder Alternativen - was in der Theorie ein klares No-Go ist, wird in der Praxis leider oft missachtet oder verdrängt.
Lösungsansätze: Schulungen, gute Planung
Schulungen: Meist ist das Wissen in der Firma vorhanden, aber bleibt auf dem Weg vom Büro auf die Baustelle auf der Strecke. In Zusammenarbeit mit dem Photovoltaikgutachter-Netzwerk (photovoltaikgutachter.ch) bieten wir bei einigen Grosshändlern höchst unterhaltsame Schulungen für die “Qualität von PV-Anlagen” an. Ob Neueinsteigerin oder Profi, es gibt für alle etwas zu lernen. Auch hier wird das Betreten von Solarmodulen ausführlich thematisiert und nebenbei viel gelacht.
Die Planung entscheidet: Allerdings kann keinem Monteur vorgeworfen werden, ein Modul betreten zu haben, wenn es schlicht keine durchdachten Wartungsgänge gibt. Es ist schon fast eine Frage des Respekts gegenüber dem Montage- und Servicepersonal, welches die PV-Anlage die nächsten 30 Jahre wartet, sowie auch gegenüber der Bauherrschaft, welche eine qualitativ hochwertige PV-Anlage wünscht, ein gut durchdachtes Wartungskonzept zu erstellen.
9. Verschmutzung
Der Selbstreinigungseffekt bei PV-Modulen ist bei geringen Neigungen nicht ausreichend. Da das Wasser nicht ganz abfliesst, lagern sich Schmutzpartikel ab, was langfristig zu Ertragseinbussen und einem erhöhten Wartungsaufwand führt.
Gemäss unseren Erfahrungen und verschiedenen Quellen gelten PV-Module erst ab einem Neigungswinkel von 15° - 20° als selbstreinigend.
Natürlich ist die Selbstreinigung nur einer von zahlreichen Faktoren, welcher in der professionellen Planung von PV-Anlagen berücksichtigt werden muss und so ist es auch nicht erstaunlich, dass diese Thematik im Alltag oft vernachlässigt wird.
Lösungsansätze: rahmenlose Module, Module hochkant, Kundeninfo, regelmässige Wartung
Bei unvermeidbarer flacher Neigung bieten rahmenlose Module eine durchgängig glatte Oberfläche, an der Schmutzwasser ungehindert abfliessen kann.
Module im Hochformat installieren: Bei Anlagen mit weniger als 15° Neigung reduziert die Hochkantmontage (kurze Seite horizontal) die Länge der Schmutzkante. Zusätzlich ist der Abstand vom Modulrand zur Zelle an der kurzen Seite meist grösser, was die Verschattungsgefahr verringert.
Kundschaft transparent informieren: Bei flacher Neigung müssen Kunden über den zu erwartenden Reinigungsaufwand und mögliche Ertragseinbussen aufgeklärt werden.
Regelmässige Wartung einplanen: Für bestehende Anlagen mit flacher Neigung empfehlen wir eine regelmässige professionelle Reinigung, um Ertragseinbussen und Modulschäden zu minimieren.
10. Dokumentation
Sie investieren mehrere hunderttausend Franken in eine PV-Anlage. Die Rendite ist vielversprechend, die Installation abgeschlossen und feierlich in Betrieb genommen. 10 Jahre später beauftragen Sie eine PV-Anlagenprüfung, um den Zustand der Anlage aus unabhängiger Seite beurteilen zu lassen.
Dann der Schock: 20 % der PV-Anlage sind ausser Betrieb, defekte Module und Wechselrichter führen zu schmerzlichen Ertragsausfällen. Ein Horrorszenario für jeden Investor und leider keine Erfindung.
Lösungsansätze: Erstprüfung, Anlagendoku, Fernüberwachung, Anlagenprüfungen
Eine umfassende Erstprüfung zeigt, ob alle Module angeschlossen und funktionsfähig sind. Die Strangspannung entspricht der Summe der Modulspannungen. Zur Interpretation die gemessene Spannung durch die Anzahl Module teilen – die Werte sollten praktisch identisch sein. Abweichungen deuten auf Verkabelungsfehler hin. Tipp: In Excel mit "Bedingter Formatierung" Fehler schnell erkennen.
Anlagendokumentation: Eine gründliche Dokumentation ist nicht nur normativ vorgeschrieben (SN EN 62446-1:2016), sondern trägt auch wesentlich zur Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen bei. Wir empfehlen mindestens den Strangplan, den Orientierungsplan Feuerwehr, das Elektro-Prinzipschema und ein Absturzsicherungskonzept laminiert vor Ort zu deponieren und die gesamte Dokumentation zusätzlich elektronisch zuzustellen. Dies erleichtert Servicearbeiten und senkt Wartungskosten.
Fernüberwachung: Wenn eine Solaranlage nicht die zu erwartenden Erträge liefert oder aufgrund von Defekten ganz ausfällt, geht es schnell ins Geld. Eine Fernüberwachung lohnt sich nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern dient der langfristigen energetischen Ertragssicherung. Eine lückenlose Fernüberwachung auf Strangebene durch Experten und Expertinnen ist demnach die Minimalanforderung für eine erfreuliche Betriebsdauer. Abweichungen zwischen Dokumentation und Installation werden bei einer korrekten Anlagenkonfiguration im Überwachungsportal direkt erkannt.
Anlagenprüfungen: Unabhängige Anlagenprüfungen beispielsweise nach der Inbetriebnahme, vor Ablauf der Garantiezeit und danach periodisch je nach Anlagenzustand sind unverzichtbar, um Defekte und sicherheitsrelevante Mängel zu erkennen.
Fazit
Glücklicherweise treffen wir diese Fehler nicht überall an. Die absolute Mehrheit der PV-Anlagen wird sauber installiert und funktioniert einwandfrei. Die hier beschriebenen Fehler verdeutlichen jedoch, wie wichtig fundiertes Fachwissen und Sorgfalt bei Planung, Installation und Wartung von PV-Anlagen sind.
Nicht der Fingerzeig auf andere, sondern das gemeinsame Lernen steht für uns im Fokus, denn viele dieser Fehler haben auch wir in unseren Anfängen einst selbst begangen. Statt nur auf die Probleme hinzuweisen, bieten wir zu jedem Thema auch Lösungen und praktische Empfehlungen, wie diese verhindert werden können. Weitere Informationen finden Sie auf unserem Solar.blog und in regelmässigen Posts auf LinkedIn (Links siehe unten). Unsere Experten teilen dort ihr Wissen, damit mehr PV-Anlagen zuverlässig, sicher und mit optimaler Leistung über viele Jahre hinweg funktionieren.
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*Zu den Autoren
Milosh Fink und Heinz Simmler sind Co-Leiter bei Energie Netzwerk GmbH, einem Schweizer Ingenieurbüro mit Fokus auf Fachplanung, Betrieb und Qualitätssicherung von PV-Anlagen. Im Bereich Qualitätssicherung überprüft Energie Netzwerk schweizweit PV-Anlagen und erstellt unabhängige Gutachten. Das Unternehmen hat es sich auf die Fahne geschrieben, nicht nur die Energiezukunft, sondern auch die Zusammenarbeit mit Partnern weiterzudenken.




