

Quelle: Markus Gehrig
Markus Gehrig
Flexibilität Ladeinfrastruktur
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in privaten Liegenschaften spielt bei der Entscheidung für ein Elektrofahrzeug eine zentrale Rolle. Doch auch die Besitzer von E-Autos fordern Ladepunkte – auch bei der Wahl einer Miet- oder Kaufimmobilie wird die Ausstattung zunehmend zum entscheidenden Kriterium.
Hauseigentümer sind gefordert, denn moderne Ladelösungen steigern die Attraktivität und den Wert ihrer Immobilien und Förderprogramme unterstützen derzeit den Aufbau der Grundinfrastruktur. Technisch gibt es derzeit zahlreiche Möglichkeiten, um künftige Anforderungen flexibel zu erfüllen. Entscheidend ist dabei aber immer ein effizientes Lastmanagement. So verhindert ein intelligentes System die Überlastung des Netzanschlusses und ermöglicht eine vorausschauende Steuerung des Energiebedarfs.
Auf Abb. 1 sind die Realisierungsstufen nach SIA 2060 und anderen Publikationen ersichtlich. Allerdings lehrt die Praxis, dass die Ausbaustufe B am Ende besser aufgehoben ist, denn der teure Ausbau des Netzanschlusses verhindert viele Projekte und zudem enthält ein modernes Ladesystem ein mehrstufiges Lastmanagement. Damit wird die Überlastung verhindert und erlaubt eine Überwachung, damit man rechtzeitig Engpässe entdeckt.
Grundinstallation und Lastmanagement
Die Grundinstallation von Leerrohren (A) ist nur für Neubauten relevant oder wenn andere Umbauten anstehen. Daher beginnt man idealerweise bei der Stufe C1. Dazu gehören neben einem Flachkabel, das in der Garage alle Parkplätze erschliesst, auch die Zähler in der Hauptverteilung, welche dem Lastmanagement dienen. Beim System Smart-me ist mindestens ein Zähler für die Ladeinfrastruktur nötig und idealerweise noch ein zweiter Zähler für die Gesamtmessung nach dem Hausanschluss. Damit ist es möglich, das Lastmanagement in zwei Stufen durchzuführen. Die Firma Smart-me aus Rotkreuz nennt das Multilevel-Lastmanagement, bei dem gleichzeitig der Hausanschluss und die Sicherung der Ladepunkte überwacht wird. Dieses System ist sehr flexibel und ermöglicht auch mehrstufig und dynamisch, verschiedene Gebäude mit unterschiedlichen Stromkreisabsicherungen abzubilden. Dabei werden Schwankungen im Verbrauch und in der Produktion von Sonnenenergie berücksichtigt. Mit einem solchen System spart man sich auch die teure Verstärkung eines Hausanschlusses. Erfahrungen zeigen zudem, dass nach der Installation Jahre vergehen, bis etwa 25 % der Parkplätze mit Ladestationen ausgerüstet werden.
Die Stufe C2 beinhaltet dann auch noch die Vorbereitungsboxen für die Ladepunkte. Danach ist die Installation abgeschlossen und es wird ein Sicherheitsnachweis erstellt. Bei der Abnahme will der Verteilnetzbetreiber in der Regel prüfen, ob das Lastmanagement funktioniert. Dazu reicht es, eine Ladestation in die Vorbereitungsbox einzustecken.
Es bewährt sich, wenn die Hauseigentümer diesen Teil selbst bezahlen und alles Weitere einem Ladenetzbetreiber überlassen. Es empfiehlt sich nicht, die Stufe C2 einzusparen, denn die nachträgliche Installation mit Prüfung ist dann teurer als die Vorbereitungsboxen, inklusive die kurzen Anschlussleitungen. Dieser übernimmt in der Regel auch die Planung und Ausführungskoordination. Eine Stolperfalle ist auch, dass einige Hersteller von Ladestationen keine MID-Zertifizierung zur Verfügung stellen. Da bereits viele VNB über diesen Umstand gestolpert sind, hat das Metas zur Bereinigung eine sehr grosszügige Frist bis 2027 angesetzt. Die eCarUp Pico, die der Autor für seine Ladenetze seit Jahren nutzt, haben seit jeher ein MID-Zertifikat. Darüber hinaus hat das Metas auch den Lastgang zertifiziert. Dies bedeutet wiederum, dass auch die 15-Minuten-Daten zertifiziert sind und innerhalb eines ZEV verschiedenen Tarife mit zertifizierten Daten verrechnet werden.
Bereit zum Laden
Wenn die Installation abgeschlossen ist und Interessenten da sind, können die Ladestationen eingesteckt und für den Mieter oder Eigentümer konfiguriert werden. Moderne Systeme rechnen vollständig automatisch ab, inkl. Versand der Rechnungen per E-Mail. Es ist wichtig, dass man bereits im Voraus klärt, was genau in den Lizenzen enthalten ist. In der Regel wird die Ladeinfrastruktur dem Endkunden als Mietlösungen angeboten, wie zum Beispiel bei BKW, CKW, EKZ und vielen anderen lokalen VNB. Auch Energieabrechnungsfirmen wie Agrola, Neovac oder en’plus und viele andere sind auf dem Markt der AC-Ladestationen aktiv. Die Preistransparenz lässt aber zu wünschen übrig. Übliche Preismodelle sind etwa: CHF 49.–/Monat plus Energie ohne Aufschlag oder CHF 39.–/Monat plus Energie mit Aufschlag. Wer weniger Energie braucht, fährt mit dem letzteren Modell besser (Stand: Internetrecherche letztmals Januar 2025). Voraussetzung dazu ist natürlich, dass der Eigentümer wie oben beschrieben die Grundinstallation übernimmt. Wenn der Eigentümer oder Verwalter selbst abrechnet, kann er mit dem Mietpreis des Parkplatzes seine Investition fördern, indem er den Mietpreis höher ansetzt, wenn jemand keine Ladestation mietet.
Sicherheitsnachweise
Einige Kontrolleure behaupten, dass jede nachträglich eingesteckte Ladestation geprüft werden muss, was nicht stimmt, denn eine Vorbereitungsbox und die dazugehörige Ladestation sind ein Produkt, das den einschlägigen Normen genügen muss und danach geprüft ist. Deklariert ist das mit der Konformitätserklärung. Dagegen sind bei der periodischen Installationskontrolle die festangeschlossenen Kabel und die Sicherheitsfunktionen zu prüfen. Mit einer durchdachten Ladeinfrastruktur machen Eigentümer ihre Immobilien zukunftssicher – und ermöglichen eine effiziente, kostengünstige Elektromobilität. ?